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Trendartikel Powertage 2022

Welche Effizienz?

Effizient soll heute alles sein – die Arbeit, das Auto, die Ausbildung, kurzum: das Leben. Effizient und effektiv kommen dabei oft durcheinander. Aber genau mit dieser Problematik beschäftigt sich der Netzausbau und -betrieb.

Powertage

Wir wollen keinen Stromausfall – von unangenehmen Komforteinbussen bis zu volkswirtschaftlichem Grossschaden kann alles die Folge sein. Das Netz ist hochverfügbar, das heisst, die meisten Menschen in unseren Breitengraden können sich an den letzten Stromausfall gar nicht erinnern oder wenn, dann an die ganz grossen Vorfälle. Wie damals im November 2006, als Teile von Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Österreich und Spanien bis zu zwei Stunden stromlos waren. Ist also das Stromnetz effizienter geworden? Oder haben wir uns nur effektiver gegen Stromausfälle geschützt? Die Antwort darauf hängt von der Betrachtungsweise ab. Schliesslich gab es viele Versuche die Stromversorgung effizienter zu machen – auch die Strommarktliberalisierung, die ab den 90ern in Europa durchstartete, war letztendlich ein Versuch, effizienter zu werden. Das Mahnmal Kalifornien liess 2003 die Schweiz erschaudern und bis heute haben wir es nicht über eine Teilmarktliberalisierung hinausgeschafft. Und trotzdem sind unsere Strompreise im Rahmen – waren aber bei uns die Endkundenpriese im Verhältnis zu den Grosshandelspreisen schon immer vorteilhaft, was in Deutschland nicht der Fall war. Was dem einen effizient, ist dem anderen ineffektiv.


Schöne neue Technologien

Smart-Grid-Konzepte sind seit rund 15 Jahren in aller Munde. Smart Grids sollen einen sicheren, effizienten und zuverlässigen System- und Netzbetrieb gewährleisten und dazu beitragen, den Netzausbaubedarf zu verringern. Ein wichtiger zentraler Teil vieler Konzepte und integraler Bestandteil der Energiestrategie 2050 sind dabei intelligente Messsysteme, als Unterstützung der neuartigen Funktionalitäten des Netzes. Mit mehr Informationen in Echtzeit allgemein über das Netz, aber auch über das beobachtete und antizipierte Nutzerverhalten, lassen sich Investitionen möglichst klein halten und Energie sparen. Vor allem letzteres ist per Definition effizient: Wer in Summe weniger Energie braucht, ist effizienter und somit wirtschaftlicher – und notabene grüner, also nachhaltiger. Gewinnoptimierung und Nachhaltigkeit haben durchaus einen gemeinsamen Nenner. Die ungefähre Gleichzeitigkeit zwischen Strommarktliberalisierung und Smart-Grid-Konzepten ist dabei der Technisierung und den damit verbundenen Möglichkeiten geschuldet. Und das ist gut so. Weniger optimal ist dabei, dass Smart-Grid Konzepte von der Vernetzung und der Zusammenführung von Informationen auf allen Ebenen profitieren, während die Liberalisierung ein hohes Mass an Entflechtung zwischen den Wertschöpfungsstufen Produktion, Verteilung und Verbrauchern voraussetzt, um funktionieren zu können. Ein Trade-off, der sich nie vollständig lösen lassen wird.


Persönliche Effizienz im Gesamtsystem

Die persönliche Freiheit ist ein hohes Gut. Teil davon ist es, das Elektroauto zu laden, wenn man es braucht oder wann man es will. Gleiches gilt für den Föhn, den Toaster und heute zumeist auch die Sauna und die Waschmaschine. Aber das ist und war nicht immer so. Die Rundsteuerung als Vorgänger und Ahne vom Smart Grid kann grosse Verbraucher sperren, um die Gleichzeitigkeit grosser Stromkonsumation zu verhindern: Die Rundsteuertechnik als Fernsteuerung über das vorhandene Stromnetz benötigt keine zusätzlichen Kommunikationskanäle und Rechenleistung. Effektiv und effizient. So effektiv, dass es heute zumeist für die energetische Optimierung der Verteilnetze und weniger für die Verhinderung von Netzengpässen genutzt wird. Nicht umsonst steigt der Stromverbrauch zehn Uhr nachts mit Start des Niederstromtarifs sprungartig an. Nun wird der Rundsteuerung kein sehr langes Leben mehr prophezeit, zu tumb und antiquiert die Technologie. Aber mit welcher smarten Technologie sie denn ersetzt werden soll, ist nicht abschliessend geklärt. Der Rundsteuerung lässt sich in ihrer Effektivität, ihrem perfekten Datenschutz und ihrer Unverwüstbarkeit ein gewisser Charme nur schwer in Abrede stellen.


Wohin des Weges?

Effizienz ist facettenreich – und trotzdem oder gerade deshalb Dauergast in Werbung und Marketing. Intelligente Steuerungen, smarte Messtechniken, individuelle Tarifstrukturen, vernetzte Ladestationen, integrierte und europäisierte Strommärkte sollen helfen, fluktuierende Elektrizitätserzeugung, steigenden Bedarf und den Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen: Früher waren es grosse Produktionsstätten und Ballungszentren, Lastfluss von gross zu klein, von Netzebene 1 zu Netzebene 7. Immer mehr kommt heute die Produktion aber von den Hausdächern, die Systemdienstleistungen von Kleinstverbrauchern, die Arbeitsstrukturen werden agiler, Krisen bringen innert weniger Wochen komplett neue Verhaltensmuster: Effizienz ist im Wandel.

Ihre Kontaktperson

Dominique Farner

Dominique Farner

Marketing & Communications Manager

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