Wie funktioniert gute Energie-Kommunikation?
Die Energiewirtschaft steht vor einer anspruchsvollen Aufgabe: Sie muss die Transformation des Energiesystems erklären und zugleich Vertrauen schaffen. Zehn Empfehlungen zeigen, wie moderne Kommunikation Orientierung gibt.
Für Energieunternehmen, Versorger, Netzbetreiber und Verbände bedeutet das: Kommunikation darf nicht erst beginnen, wenn Tarife steigen, Projekte verzögert werden oder Kritik laut wird. Sie muss dauerhaft Orientierung geben.
Zehn Empfehlungen für Kommunikation in der Energiewirtschaft
- Vertrauen ist die wichtigste Energie-Ressource.
Kommunikation muss erklären, warum Entscheidungen getroffen werden: bei Strompreisen, Netzausbau, erneuerbaren Energien, Versorgungssicherheit oder neuen Angeboten. Wer nur informiert, wenn es schwierig wird, kommuniziert zu spät. - Eigene Kanäle sind Pflicht – nicht Beiwerk.
Website, Newsletter, Kundenportal, FAQ-Bereich, Erklärgrafiken und direkte Mailings sind heute zentrale Infrastruktur. Sie ersetzen Medienarbeit nicht, machen Unternehmen aber unabhängiger vom schrumpfenden klassischen Medienraum. - Medienarbeit muss gezielter werden.
Die Krise vieler Print-Medien bedeutet natürlich nicht das Ende von Journalismus. Aber Energiekommunikation muss Themen stärker zuspitzen, regional anschlussfähig machen und Redaktionen mit belastbaren Daten, Einordnungen und sprechfähigen Expert:innen unterstützen. - Keine Kanal-Gießkanne.
LinkedIn, Instagram, Facebook, YouTube, TikTok oder WhatsApp-Kanäle: Entscheidend ist nicht, überall präsent zu sein, sondern dort gut zu kommunizieren, wo Kund:innen, Politik, Gemeinden, Mitarbeitende und Multiplikator:innen tatsächlich erreichbar sind. - Komplexität muss übersetzt werden.
Stromtarife, Netznutzungsentgelte, Herkunftsnachweise, Eigenverbrauch, lokale Elektrizitätsgemeinschaften oder Ausbauprojekte sind erklärungsbedürftig. Gute Kommunikation macht daraus keine Werbung, sondern verständliche Orientierung. - KI wird zum Kommunikationswerkzeug – aber nicht zur Wahrheitsinstanz.
KI kann helfen, FAQs zu strukturieren, Textvarianten zu erstellen, Kundenanfragen vorzubereiten, Monitoring auszuwerten oder interne Wissenssysteme aufzubauen. Entscheidend bleiben jedoch geprüfte Quellen, klare Freigabeprozesse und Transparenz, wo KI eingesetzt wird. - Dialog braucht Leitplanken.
Energieprojekte berühren Alltag, Landschaft, Kosten und politische Überzeugungen. Deshalb braucht Community Management klare Regeln: Was beantworten wir öffentlich? Wann verweisen wir auf Fachstellen? Wie gehen wir mit Falschinformationen, Ärger oder berechtigter Kritik um? - Pflichtthemen allein reichen nicht.
Versorgungssicherheit, Dekarbonisierung und Effizienz sind wichtig. Wirkung entsteht aber dort, wo Menschen den Nutzen konkret verstehen: Was bedeutet ein Projekt für meine Gemeinde, meine Rechnung, meine Wärmelösung, mein Unternehmen oder meine Versorgung im Winter? - Interne Kommunikation ist Teil der öffentlichen Kommunikation.
Mitarbeitende in Kundencentern, technischen Teams, Vertrieb, Politik- und Medienarbeit müssen dieselben Kernbotschaften kennen. Texttrainings, Gesprächsleitfäden und Q&A-Dokumente helfen, komplizierte Sachverhalte einheitlich und verständlich zu erklären. - Kommunikation braucht einen Jahresplan – und Krisenfähigkeit.
Energieunternehmen sollten regelmäßig Themen, Risiken, politische Zeitfenster, Projekte, Tarifkommunikation und Dialogformate planen. Ein jährlicher Kommunikations-Workshop schafft den Rahmen: Strategie, Kernbotschaften, Zielgruppen, Kanäle, Maßnahmenplan, KI-Nutzung und klare Verantwortlichkeiten.
Fazit:
Kommunikation in der Energiewirtschaft ist heute weniger Pressearbeit und mehr Vertrauensmanagement. Wer verständlich erklärt, frühzeitig Dialog ermöglicht, eigene Kanäle stärkt und KI verantwortungsvoll nutzt, wird auch in einem fragmentierten Medienumfeld sprechfähig bleiben.
*Straub & Straub ist eine auf Energiekommunikation spezialisierte Agentur in Zürich. Sie treffen uns auf den Powertagen, 17. Juni, 16:30 Uhr, Speakers Corner.